Erschienen im  "Der Bund Ostschweiz" 3.3.2007

 

Da wo vor ein bis zwei Jahren noch ein Überfluss an Arbeitskräften war, herrscht heute bereits ein Mangel. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat sich drastisch verändert. An die neue Wirtschaftslage müssen sich viele Menschen erst noch gewöhnen. Die Rezession und die damit verbundenen Ängste sitzen zum Teil immer noch in den Knochen.

Es kommen viele Menschen zwischen 25- und 35 Jahren  in die Berufs- und Laufbahnberatung, die ein diffuses Ungebehagen spüren, die mit der Arbeit nicht mehr zufrieden sind. Oft können sie aber nicht genau sagen, woran das liegt. Während Jahren hat man sich arrangiert, empfand auch Dankbarkeit für das, was gut war. Doch immer wieder taucht die Frage auf: ist das alles? Hätte ich nicht noch mehr zu bieten? Könnte ich nicht mehr Verantwortung übernehmen? Was käme noch in Frage? Soll ich ein Wechsel riskieren, soll ich mich weiterbilden? Welche Institutionen oder Fonds gibt es, die mir helfen, eine Weiterbildung zu finanzieren?

Oft fehlt der Mut, einen Wechsel zu wagen, weil man sich selber zu wenig klar einschätzen kann und weil man das Angebot, das zur Verfügung steht, nicht kennt.

Weiterbildung lohnt sich immer

Bereits spricht man wieder von einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Das hat zur Folge, dass Lohnforderungen wieder „Gehör finden“. Weiterbildung verschafft neben dem Fachwissen auch neue Denkweisen, neue Bekanntschaften, eine neue Art, die Welt zu sehen. Weiterbildung gibt mehr Sicherheit. In der Laufbahnberatung erleben wir oft, dass viele Menschen weiterbildungshungrig sind. Sie besuchen Weiterbildungskurse aller Art, doch nach ein paar Jahren fragen sie sich, was hat mir das gebracht?

Gezielte Weiterbildung steigert den Wert auf dem Arbeitmarkt

Wer sich weiterbildet, muss sich vorher aber sehr genau überlegen, wo seine Berufsziele liegen. Gerade Frauen gehen manchmal zu sehr nach dem persönlichen Lustprinzip vor. Oft wird mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip gewählt, zum Beispiel weil eine Freundin einen bestimmten Weiterbildungskurs empfiehlt, weil eine Reklame im Briefkasten war, weil der Titel gut klingt.
Ärgerlich ist es, wenn man später erkennt, dass das gleiche Angebot in der Nähe oder zu einem viel günstigeren Preis angeboten wird.

Männer gehen meistens gezielter vor, besprechen die Situation im besten Fall mit dem Personalchef und erhalten einen Teil oder die ganze Ausbildung bezahlt.

Das eigene Potenzial erkennen

Es gilt die neue Chance zu nutzen. Entscheiden ist, dass man nicht nur nach dem besser bezahlten Job Ausschau hat, sondern in ersten Linie erkennt, wo die eigenen Ressourcen, die besonderen Fähigkeiten liegen, sich gezielt mit dem eigentlichen Lebenssinn und der Berufung auseinandersetzt. Was macht mein Leben lebenswert, wo erlebe ich mich „powerfull“, aber auch bei welchen Gelegenheiten werde ich energielos, verliere ich mein Selbstvertrauen? Das sind Fragen, die weiterhelfen.

Ein Laufbahnseminar bringt viele Erkenntnisse

Die eigenen Situation wird relativiert und GruppenteilnehmerInnen helfen mit, den eigenen Fähigkeiten und persönlichen Vorzügen auf die Spur zu kommen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten, aber auch Grenzen bringt eine klare Einschätzung der persönlichen Situation. Was fehlt an Weiterbildungsbausteinen? Was ist heute auf dem Arbeitsmarkt gefragt?

Oft ist es besser seine Weiterbildungspläne auf einen höheren Abschluss auszurichten als einzelne Kurse zu besuchen.  Wer nochmals eine Weiterbildung wagt, sollte sich sehr sicher sein, denn meistens ist damit viel Zeit und recht hohe Kosten verbunden.

Es wäre zu schade, wenn man auf halbem Weg erkennt, dass man auf dem falschen Weg ist.

So gilt es auch beruflich, das richtige Gleichgewicht zu finden zwischen Herausforderung und Neuem einerseits und Vertrauen auf Können und Beherrschen von Altem.

Bewerbungsschreiben und Üben vor Vorstellungsgesprächen tragen mit dazu bei, dass man mit mehr Schwung und Elan einen Stellenwechsel in Angriff nimmt.

Besondere Chancen für Frauen

Neue Chancen haben auch Frauen, die nach einem längeren Unterbruch wieder berufstätig sein möchten. Oft wollen sie nicht mehr in den alten Beruf zurück, haben aber wenig Kenntnisse von neuen Möglichkeiten. Das Angebot an Weiterbildung und die Möglichkeit von Teilzeitbeschäftigung waren noch nie so gross. Aber gerade die Vielfalt ist oft verwirrend und erschwert einen Entscheid.

Frauen fühlen sich während der Familienphase oft isoliert und verlieren das Gefühl für die eigenen Stärken. Oft fehlt es am Mut, etwas Neues anzupacken. Für sie ist ein Seminar unter Gleichgesinnten besonders hilfreich, da sie erkennen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind, sondern, dass viele Frauen in der gleichen Situation sind. Es ist erstaunlich, wie rasch Frauen an Selbstvertrauen gewinnen, wenn sie auch erkennen, was sie während der Familienphase alles geleistet haben und welche sozialen Kompetenzen sie sich dabei erworben haben, die sie beruflich wieder nutzen können.

 

Marianne Helbling, dipl. Berufs- und Laufbahnberaterin und Seminarleiterin, Rapperswil,
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